Erzählungen, bei denen der Leser Augen und Ohren weit aufsperrt.
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Marmorstein und Eisen bricht ... Wir alle haben uns schon einmal gefragt, woher kommen all diese schönen Schager, Hits und Chansons? Wer erlebt das alles, wer schreibt es nieder, wer überliefert es seinen Kindern, seinen Nachbarn, uns allen? Welche Tragödie, welches Herzeleid steckt dahinter? Nun, manchmal ist der Anlass nur banal, aber manchmal verbirgt sich dahinter ein kleines Wunder. Von einem solchen Wunder handelt auch die folgende, wahre Begebenheit, die noch heute gerne bei der Brotzeit, wenn die Polentaschüssel kreist, in den Marmorbrüchen von Carrara erzählt wird: Guiseppe, ein kleiner italienischer Steinmetzsohn, kriegt mit 3 Jahren sein erstes Spiel- und gleichzeitig Werkzeug, nämlich einen Hammer und einen Meisel. Es ist ein sogenanntes Hammer&Meisel -Set, in einem stilvollen Geschenkkarton, koreanisch-italienisch coproduziert, wie es damals Sitte war. Fröhlich jauchzend rennt Guiseppe sofort in den nahegelegenen Steinbruch um diese schönen Geschenke auszuprobieren. Nach dem er sich einen gefälligen Stein ausgesucht hat, tut er den ersten Schlag - und der Stein bricht auseinander. Da glänzen die Augen und das kleine, von der Sonne verbrannte Gesichtchen leuchtet auf. Er tut den zweiten Schlag - und der Meisel bricht entzwei. Furchen des Grams, in die sich gleich der Marmorstaub seines noch so kurzen Lebens einfressen wird, beginnen sein Gesicht zu kerben. Und weinend geht der kleine Guiseppe heim zu seiner Mutter und plärrt: "Mamma, Stein und Eisen bricht!" (Man beachte, daß sich der kleine Guiseppe in seiner Schilderung hier genau an den zeitlich-technischen Ablauf hält, was auf den geborenen Steinmetzen hinweist.) Hier, jedoch, verlassen wir den armen, kleinen Guiseppe in seinem Schmerz, denn genau in dem Moment geht draussen vor dem Fenster Trafo Tedesco vorbei. Er ist selbst Steinmetz und halbtaub vom dauernden Hammerschlag und dem Geklirre von Stahl auf Stein. Trafo versteht, logisch, "Marmorstein und Eisen bricht" und fängt an, diesen Satz ganz melodisch, wie es seine Art ist, vor sich hin zu summen. Ganz unbewußt unterlegt er der weichen Melodie das harte Tack-tack-tack, das einzige und ewigwährende Geräusch in seinen halbtauben Ohren. Noch Jahre später, als er auf Suche nach Fliessbandarbeit über die Alpen wandert, summt er dieses Lied und hört seinen vertrauten Takt im Ohr. Als er in München von Sendling stadteinwärts wandert hört ihn ein Musikagent, der sofort die Qualität ahnt, die in diesem Lied steckt. Er kauft den italienischen Steinmetz auf der Stelle auf, germanisiert dessen Namen von Trafo Tedesco in Drafi Deutscher. Und potzblitz, das Lied wird ein Hit, erobert alle Schlagerparaden und ist seitdem aus der deutschen Musikwelt nicht mehr wegzudenken . So wurde aus dem südlichen Wehklagen eines kleinen Steinmetzbuben ein Lied, das unsere Herzen im rauhen, kalten Norden erwärmt. |
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